Theater SiebenSchuh:
Vom Fischer und seiner Frau

Oksana Tokarewa
"Ustinka Plus"
Oktober 2006

Mit Namen Swoboda

Am 10. und 11. Oktober fanden zwei Auftritte eines Puppentheaters aus Berlin statt. Ihre eigene Version des Märchens der Gebrüder Grimm „Der Fischer und seine Frau“ (uns ist es aus Puschkins Märchen bekannt) stellte Anne Swoboda vor. Sie ist die Autorin und die einzige Interpretin der ganzen Vorstellung.
Ein Puppentheatergastspiel in unserer Stadt ist ein seltenes Ereignis, ein deutsches– um so mehr. Es ist klar, dass für solch eine Vorstellung besondere Zuschauer nötig sind, weil vielleicht nicht jeder zuhöre und versuchen möchte, den Sinn einzelner Wörter zu verstehen. Im Unterschied zu Puschkins Märchen, wo die Inhaltslinie sehr klar und geschlossen ist, hat die Aufführung ein offenes Ende. Anne Swoboda schlägt ihren Zuschauern (meistens Kindern) vor, weiter zu denken, indem sie über unsere Wünsche nachdenken. Oft leiten uns unsere Gedanken, indem sie uns zu ihren Sklaven machen. Aber alles hat seine Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Vor allem deshalb, weil es nicht ungefährlich wäre.
„Ich rufe die Zuschauer dazu auf, öfter auf viele „einfache“ Dinge zu achten, aus denen diese Welt besteht: die Langsamkeit der Schnecke, die Geschäftigkeit der Ameise und die Schönheit der blühenden Rose. Ihr Einfachheit ist doch nur scheinbar.“
In Deutschland hatte sich Anne viel mit den Kindern unterhalten, um das Thema aus ihrer Sicht zu betrachten. Sie war darüber erstaunt, wie viele junge Deutsche nicht vom Materialismus angesteckt sind. Sie erzählten ihr über unersättliche Gier und seelischen Geiz der Frau des Fischers. Sie sagten ihr, dass sie nach ihrem ersten Wunsch hatte an sich halten müssen und dass sie statt um eine hohe gesellschaftlichen Position um ein einfaches Familienglück hätten bitten müssen. (Interessant, ob unser Nachwuchs auch so denkt?)
Anne war begeistert über solche Gedanken der deutschen Kinder und sie versetzten sie in große Hoffnungen. Die westliche Gesellschaft verlor doch mit seiner Wendung zu materiellen Werten ihre Orientierung für allgemein menschliche Werte. Deshalb sind die Kinder ihr Lieblingspublikum. Ihre Flexibilität und Willfährigkeit ermöglichen es, etwas aus ihnen zu formen, wovon sich die in ihren materiellen Scheuklappen steif gewordenen Erwachsenen entfernt haben.
Ihr wohlklingender Familienname stammt aus dem Tschechischen. Obwohl die erste Silbe betont sein sollte, nannte man sie mit der hier üblichen Version dieses Namens. Sie gab sich demokratisch und fühlte sich nicht gekränkt.

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